Zen und die Kunst, einen alten Mercedes zu fahren

Was treibt einen seit früher Jugend autointeressierten jungen Mann in seinen 20ern dazu, der Mehrzahl der Neuentwicklungen der ach so stolzen deutschen Autoindustrie mit Abscheu zu begegnen? Kann er nicht rechnen, wenn er innerhalb eines Jahres den doppelten Betrag des „Restwerts“ seines Fahrzeugs in Reparaturen zu investieren? Teile zu tauschen, die technisch nicht kaputt oder vom TÜV beanstandet sind, aber seinem Qualitätsempfinden nicht mehr entsprechen? Wie kommt ein technikinteressierter Ingenieur dazu, technischen Fortschritt mit Achselzucken zu quittieren und neue Autos mit Hinweis auf fehlenden Stil abzulehnen? Ist das Technikfeindlichkeit, wenn man die neuesten Produkte aus den Hallen deutscher Automobilkonzerne ablehnt – oder gerade das Gegenteil, nämlich ein besonders gut ausgeprägtes technisches Verständnis?

Ich versuche, eine merkwürdig gesteuert wirkende Entwicklung meiner selbst zu beschreiben. Das mache ich für andere, die – das weiß ich sicher – ganz vergleichbare Beobachtungen an sich selbst gemacht haben. Das mache ich aber auch für mich selbst, um Entscheidungen, die ich getroffen habe, im Rückblick und mit dem Vorteil der Kenntnis der Folgen jener Entscheidungen besser zu verstehen. Ich möchte dem Leser darlegen, wie der eher zufällige Kauf eines alten Mercedes mich verändert hat. Ich möchte mir selbst klarmachen, wie meine Sicht auf die Welt sich geändert hat, und dabei möchte mir darüber klar werden, ob ich „recht habe“ – sollte es möglich sein, die Elemente dieser Entwicklung auf solch eine schlichte binäre Dimension zu reduzieren.

Doch zunächst möchte ich erzählen, wie die ganze Geschichte begann.

Enter Glubschi

Im hohen Norden, Dezember 2011

Der Besitzer des Autos erneuert noch das letzte Glühlämpchen, als ich auf den Hof komme. Das Auto steht in der Garage, das Tor ist offen, der Motor läuft ruhig im Stand, während der Besitzer die Beleuchtung testet. Ein blauer Mercedes-Benz W210 als E240 in laut recht kurz gehaltener Online-Annonce angeblich gutem Zustand mit 151.000 km, hat mein Interesse geweckt. Wobei das fast schon zu viel gesagt ist. Es war ein Verlegenheitsanruf, der mich hierher brachte, weil das Auto aus der Annonce überraschend günstig angeboten wurde. Ich wollte wissen, ob das Auto bekannte Mängel, Unfälle, Rost habe. All das habe es nicht und ich solle doch mal vorbeikommen und mir das Auto ansehen.

Im August war ich zu meiner Freundin in den hohen Norden gezogen, die dort bereits seit einem Jahr studiert hat.

Das Schicksal meinte es sehr günstig mit uns. Nach ihrem Umzug im vorherigen Jahr verbrachte ich einige Wochen mit ihr in ihrem neuen Zuhause. Die Gelegenheit nutzte ich, um mich an der gleichen Universität, die sie besuchte, nach Möglichkeiten zu erkundigen, ebenfalls unterzukommen. Es ist eine Sache, eine Internetseite nach Informationen zu durchsuchen; es ist eine andere, mit echten Menschen zu reden, die auch ihre persönliche, nicht offizielle und vom Pressebüro freigegebene Meinung sagen können. Und so klopfte ich in der Uni an der ersten Tür, deren Beschriftung entfernt nach etwas klang, was mich interessieren könnte. Als Deutscher hat man so seine Hemmungen, bei Professoren ohne vorherige Terminabsprache außerhalb ihrer offiziellen Sprechstunden an der Tür zu klopfen. In Norwegen gibt es keine Sprechstunden. Wusste ich aber nicht, und so war mir die Situation unangenehm. Verlieren konnte ich nichts, nur gewinnen, nämlich eine Möglichkeit zur gemeinsamen Zukunft mit meiner Freundin. Und wie so oft im Leben, folgte tatsächlich eine Belohnung dafür, dass ich mich aus meiner Komfortzone gewagt habe. Ein Jahr später konnte ich also meine Stelle an der Universität antreten.

Der Umzug nach Norwegen brache es mit sich, dass ich mein bisheriges, in Deutschland zugelassenes Auto verkaufen und mich nach einem neuen, in Norwegen zugelassenen Auto umsehen musste. Einen Berufsanfänger kann das vor ein nicht ganz einfach lösbares Problem stellen. Wer Urlaub in Norwegen gemacht hat, hat sicher eine Idee vom dortigen Preisniveau bekommen. Für Autos gilt, dass der Irrsinnsfaktor, mit dem „normale“ Preise multipliziert werden, um zu norwegischen Preisen zu werden, besonders hoch ist.

Sich unter dieser Voraussetzung ausgerechnet für einen Mercedes zu interessieren, erscheint dabei widersinnig. Der Gedankengang war ungefähr dieser: Wenn ich ohnehin einen Haufen Geld ausgeben muss, das ich nicht habe, dann wenigstens nicht für einen achtjährigen Kia Rio oder Hyundai Matiz, sondern lieber für ein Auto, über dessen Anblick ich mich freuen kann und das längere Erkundungsausflüge in unserer neuen Heimat zu einer Freude macht. In Deutschland wäre ich auf so eine Idee nicht gekommen. Ich war bis dahin in Kleinwagen unterwegs und hatte nie das Gefühl, das mir etwas fehlt. Wenn ich für einen solchen Kleinwagen aber plötzlich den dreifachen Preis bezahlen müsste, dann erzeugt das solange eine nicht auflösbare Spannung zwischen Preis und Gegenwert fürs Geld, wie man norwegische Kronen im Kopf noch in seine heimische Währung umrechnet. Und um Letzteres kommt man als frisch Zugezogener kaum herum.

Ein solches Preisgefüge existiert dabei ebenso in Deutschland. Ein in die Jahre gekommenes Auto der automobilen Oberklasse ist nicht selten für den halben Neupreis eines Dacias zu erwerben. Und auch in Deutschland kann es einem absurd erscheinen, 20.000€ für einen gut ausgestatteten Kleinwagen zu bezahlen, wenn zum halben Preis oder noch weniger eine E-Klasse mit luxuriöser Ausstattung lockt. Die insgesamt höheren Kosten für Neufahrzeuge, verstärkt durch den Eindruck einer zu der Zeit sehr teuren Norwegischen Krone, haben mir im Prozess der Entscheidungsfindung einen deutlichen Ausschlag Richtung „alt, aber groß und schön“ gegeben.

Mercedes-Youngtimer und Gelassenheit im Verkehr: Psychohygiene erfahren

Im Jahre 1990 warb Mercedes-Benz mit einem Werbespot, in welchem ein Geschäftsmann mit dem Flugzeug in einem arabischen Land landet und, sichtlich gestresst von der regen Geschäftigkeit der Einheimischen, erschöpft zum Tresen einer Autovermietung kommt, um den Schlüssel für einen Mercedes entgegenzunehmen. Sein Gesicht hellt sich auf, als er das Auto erblickt, und mit dem Schließen der Tür verstummt die laute Außenwelt und der Mann sinkt entspannt in die Polster des Wagens. Aus dem Off sagt die Stimme: „Willkommen zu Hause“.

Mit dem Schließen der Tür entrückt der Fahrer der ihm fremden und ihn anstrengenden Realität. Die Umgebung, in die er sich flüchtet, ist ihm vertraut. Und sie ist klassisch. Jedes Instrument ist genau dort, wo er es als Mercedes-Fahrer erwartet. Die Bedienung ist ebenso vertraut wie die Formensprache. Die Besonderheiten der Bedienung ihrer Fahrzeuge hat die Marke Mercedes-Benz über einen langen Zeitraum konstant gehalten. Sie unterscheidet sich im Detail (z.B. Scheibenwischer, Handbremse) von den Fahrzeugen anderer Hersteller, ist aber innerhalb des Konzerns konsistent. Das Interieur hob sich schon immer wohltuend von anderen Fahrzeugen ab. Die Ergonomie ist perfekt. Entsprechend wurden bestehende Konzepte über mehrere Fahrzeuggenerationen beibehalten, denn verändern ließen sie sich zwar – und so wurde natürlich die Optik mit jeder Fahrzeuggeneration angepasst – verbessern ließen sie sich aber eigentlich nicht mehr. Mit einem Mercedes kaufte man daher stets auch Traditionsbewusstsein und Wertstabilität – letztere im mehrfachen Sinne.

Auf Traditionen besinnen sich Viele, wenn die Welt um sie herum unruhig und instabil ist und sie Halt suchen. Traditionen können überkommen sein, wenn sie den Nutzen, der sie erschuf, nicht mehr erfüllen können, oder wenn dieser Nutzen inzwischen einfacher, günstiger, umweltfreundlicher, oder sonst wie besser erreicht werden kann. Die meisten Menschen in unseren Breitengeraden müssen nicht mehr am Morgen das Feuer im Kachelofen anfachen, sondern drehen an einem Knopf und die Gas-, Öl-, oder elektrische Heizung sorgt innerhalb kurzer Zeit für die richtige Temperatur. Und doch erfreuen sich Kachelöfen nach wie vor großer Beliebtheit – und dies vor allem bei Menschen, die nicht darauf angewiesen sind. Das Ritual des Feueranfachens kann Freude bereiten, der Geruch und das Knistern verbrennenden Holzes bereiten ein Wohlgefühl und signalisieren Geborgenheit. Je schlechter das Wetter draußen ist, je stürmischer und ungemütlicher, desto schöner ist es im warmen Haus, in dem der Kachelofen für Gemütlichkeit und Wärme sorgt.

Und damit sind wir wieder beim Werbespot. Mercedes hat einmal etwas Bemerkenswertes geschafft, nämlich dass man sich im Auto wohlfühlen kann. Und es scheint, man fühlt sich umso wohler, je stressiger, lauter und ungemütlicher die Welt um einen herum ist. Die Qualität der Fahrzeuge, das gediegene Interieur und teilweise auch heute noch bemerkenswert gute Geräuschdämmung tun ihr übriges, dass man sich sicher wähnt.

Szenenwechsel: Fränkische Provinz. Ich besuche meine Oma zum Mittagessen. Der Weg führt zunächst über einen bewaldeten Berg mit kurvenreicher Straße, daraufhin führt die Landstraße durchs Tal und wird alle paar Kilometer von einem verschlafenen Dorf unterbrochen. Die Straße ist schlecht einsehbar, sodass Überholen nur an wenigen Stellen möglich ist. Es ist aber auch sinnlos, weil man sich im nächsten Dorf ohnehin wiedertrifft und gemeinsam an der Ampel steht, um hinterher gemeinsam hinter einem Trecker oder LKW hinterherzufahren. Gelegentliche Kreuze am Straßenrand zeugen davon, dass die Kombination aus offensichtlicher Sinnlosigkeit des Überholens und der damit einhergehenden Gefahr für die lokale Dorfjugend kein überzeugendes Argument ist, sodass man es dann eben doch mal versucht.

„Die armen Eltern“, denke ich mir also, als mich ein BMW älteren Baujahrs, dafür mit aber Tagfahrlicht aus dem Baumarkt, überholt. Er hing mir bereits seit zwei Dörfern giftig an der Stoßstange und mir war klar, dass er es gleich versuchen würde, mich zu überholen. Ich bin weder zu langsam gefahren, noch hat er wohl besonders wichtige Geschäftstermine (es ist Sonntag), aber für manche Leute scheint das Überholen einen Wert an sich zu haben. Es geht nicht um Zeitersparnis, die häufig nicht einmal gegeben ist, und wenn doch, dann in aller Regel vernachlässigbar gering. Das Hochjubeln des Motors, das infernalische Brüllen des 1,4l-Vierzylinder-Motörchens mit „Sportauspuff“ (mir hat sich der Zusammenhang von „Sport“ und „Autofahren“ noch nie wirklich erschlossen, zumal die Erscheinung von angeblich sportlichen Attributen eines Fahrzeugs mit denen seines Fahrers häufig negativ korreliert ist) und wohl auch das Gefühl, besser und mehr wert zu sein als jemand anders (oder der Versuch, ein solches zu erlangen), ist es, was den Reiz ausmacht. Besser und mehr wert sein – das wird hier ausgedrückt durch Eiligkeit und Hast. Zwar stimmt es häufig gar nicht, aber man kann durch den Überholvorgang suggerieren, dass man dringend wohin muss, einen wichtigen Termin wahrnehmen; man wird erwartet, die Zeit rennt und so tut es dann auch das Fahrzeug. Der Opa im alten Mercedes muss nur mit Oma zum Friseur, deswegen trödelt der auch so und fährt 5 km/h weniger als maximal erlaubt. Mit dem Überholvorgang kann man nun nicht nur seiner Umwelt versuchen weiszumachen, wie wichtig man ist und wie eilig man es hat, man kann auch gegenüber dem Überholten seine Verachtung zum Ausdruck bringen: Sieh her, ich riskiere lieber mein Leben und das anderer, als dass ich hinter DIR herfahre! Eine andere Spielart selben Ausdrucks ist das Rechtsüberholen auf der Autobahn, mit der man dem die linke Spur blockierenden Fahrer seine Verachtung dadurch ausdrückt, dass man ihm demonstriert, wie man nur seinetwegen das Gesetz bricht und seine Sicherheit gefährdet. Es fällt auf, dass solche Manöver selten von Fahrern eines Mercedes durchgeführt werden. Nicht häufiger als, sagen wir, von Toyota-Fahrern. Andere deutsche Marken sind da leider deutlich präsenter.

Diese Raserei – so schnell wie es geht am Ziel ankommen – sie erscheint einem fremd, wenn man sich an der Geräuschlosigkeit des Dahingleitens erfreut, während man gute Musik oder ein Hörbuch hört oder einfach nur in Gedanken versinkt. Mit einem klassischen Mercedes fühlt es sich auch fremd an, an solcher Raserei teilzunehmen. Die Autos sind nicht dafür gemacht. Die Automatik – eigentlich sehr gut und auch nach 20 Jahren noch zuverlässig – ist „nicht sportlich“, wie der Fahrer des 1er-BMWs wohl sagen würde, das Fahrwerk – komfortabel und sicher – ist für die Kurvenhatz zu weich. Schnelle Kurvenfahrt mit einer alten E- oder S-Klasse wirkt falsch; der Charakter dieser Autos ist ein anderer. Manche Leute verstehen den Charakter dieser Autos nicht und legen sie tiefer, bauen Sportfedern ein (für weitreichendere Modifikationen am Fahrwerk reicht das Geld dieser Klientel in der Regel nicht) und ersetzen den Auspuff gegen ein lauteres Modell, als ob Krach das Auto schneller macht. Die chinesischen AMG-Imitat-Felgen von eBay verhindern nicht nur das Bestehen der Hauptuntersuchung des TÜV, sondern auch, dass noch Geld für den überfälligen Wechsel der Betriebsflüssigkeiten vorhanden ist. Man möchte ihnen an der Ampel zurufen, sie sollen doch das schöne Auto verschonen und sich zum Verschandeln einen BMW kaufen oder doch wenigstens einen Polo, aber sie würden es wohl nicht verstehen.

Begegnungen mit verschandelten Oberklasse-Autos häufen sich, wenn diese das Tal der Tränen durchlaufen: Der Handelswert der Fahrzeuge sinkt deutlich unter 10.000€ und verliert damit – das ist die Krux, die dem naiven Käufer verborgen bleibt – die offensichtliche Korrelation zu den Unterhaltskosten. (Es ist ja nicht so, dass ein Mercedes für heute 3.000 Euro mit häufig mehr als 200.000 Kilometern Laufleistung günstiger zu unterhalten wäre als vor 15 Jahren, als dieses Modell neu noch 100.000 Euro kostete. Das Gegenteil ist der Fall.) Damit werden diese Autos im Einkauf für eine Schicht zum Erwerb (und nur zu diesem) erschwinglich, die sie sich neu oder jünger nicht leisten kann. Manchmal ist es auch kein Zufall und schon gar nicht die gern angeführte Ungerechtigkeit, dass bestimmte Menschen im Leben keinen nennenswerten finanziellen Wohlstand erreichen. Wenn sich solche Leute dann doch irgendwann einen Mercedes leisten, sieht man das dem Fahrzeug nicht selten sehr schnell an. Aus Gründen der Volksgesundheit möchte man fordern, dass wöchentliche Fahrstunden in einem klassischen Mercedes von den Krankenkassen als Maßnahme zur Besserung der Psychohygiene gefördert werden. Aus Gründen der Psychohygiene der Leute, die ihren Mercedes verstehen und sich am Anblick gut gepflegter Fahrzeuge erfreuen, möchte man jedoch ein Erwerbsverbot dieser Fahrzeuge durch Trottel erwirken, die ihren günstig erstandenen Mercedes mit Vorsatz kaputtmachen, weil sie nicht fähig sind, den Charakter des Fahrzeugs zu verstehen. Das Tal der Tränen endet, wenn die wenigen verbliebenen Fahrzeuge einer lange ausgelaufenen Baureihe in gutem Zustand irgendwann wieder im Wert steigen und auch wegen ihres Alters nicht mehr zur Hebung des Selbstwertgefühls benachteiligter Schichten taugen. Die Fahrzeuge werden dann auch gerne als „Youngtimer“ und – im Falle von Mercedes – als „letzter echter Mercedes“ wieder Gegenstand entsprechender Zeitschriften.

Die Psychohygiene, zu der das Mercedes-Fahren beiträgt, hat auch weitere Faktoren. Hat man wieder ein Jahr mit 40.000 Kilometern ohne Pannen und Probleme hinter sich gebracht, wundert man sich, wieso der Nachbar, der vergangenes Jahr mehr als den zehnfachen Preis für seinen Neuwagen bezahlt hat, wieder mit dem alten Kleinwagen seiner Frau zur Arbeit fährt. Der Neuwagen braucht ein Software-Update, damit die Automatik aufhört, zu beim Schalten spürbar zu rucken oder damit die Heckklappe nicht während der Fahrt von allein öffnet. Nachbars Neuwagen verweigert die Fahrt, weil in irgendeinem der zahllosen Steuergeräte ein Bit gekippt ist. Der Neuwagen ruft nach der Werkstatt, weil irgendein (eigentlich überflüssiges) Komfort-Feature seinen Geist aufgegeben hat (oder auch mal wieder ein Software-Update braucht). Hier wird die Primärfunktion des Fahrzeugs – das Fahren – durch die Anfälligkeit (sekundärer) Komfort-Optionen eingeschränkt. Ein richtiges Auto sollte sich auch sicher fahren lassen, wenn alle nicht zum sicheren Fahren benötigten Komfortfunktionen ihren Dienst einstellen. Leider ist das nicht selbstverständlich. Wer ein Auto fahren möchte, das im Zweifelsfall auch ohne Elektronik fährt, muss ein Auto fahren, das spätestens in den 80er-Jahren gebaut wurde. Nun, das muss auch nicht unbedingt sein. Ist zwar schön für den Sonntagsausflug, aber gewisse Annehmlichkeit der Neuzeit sind schon begrüßenswert. Die W210 ist ein schöner Kompromiss. Die spürbaren Fortschritte in der Automobilentwicklung sind spätestens seit dem 124er immer kleiner geworden. Schon ein W211 fährt im Vergleich zu einem W210 nicht „besser“, nur anders. Mit dem Übergang vom W211 zum W212 ist der fühlbare Fortschnitt nochmals kleiner geworden. Deswegen möchte ich behaupten, dass der 210er, auch wenn es verwegen klingt, eine Art Höhepunkt in der Automobilentwicklung darstellt. Nicht, dass es danach keine Steigerung mehr gab – die gab es in vielerlei Hinsicht – aber die Steigerungen betrafen häufig nicht mehr die Primärqualitäten des Autos. Tatsächlich ist bei diesen in der Fahrzeugklasse meiner Meinung nach wenig bis gar kein Fortschritt feststellbar. Wer einmal einen 210er besessen hat und sich nach einem Nachfolgefahrzeug umgesehen hat, kann von der scheinbaren Unmöglichkeit berichten, einen angemessenen Ersatz zu finden.

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